Etwa sechs Prozent aller deutschen Jugendlichen erkranken an Depressionen. Eine von ihnen war Amy, die erst mithilfe ihres Lehrers wieder Mut schöpfte. Das ist ihre Geschichte
Die junge Frau nimmt die Stufen der geschwungene Steintreppe schnellen Schrittes. Ihr altes Gymnasium liegt vor ihr, unverändert in den eineinhalb Jahren seit ihrem Weggang. Mit jeder Stufe wächst das beklemmende Gefühl in ihrer Brust. Die hohen Mauern rufen etwas in ihr wach, wie ein Flüstern aus der Vergangenheit: Es sind Erinnerungen an eine Zeit in ihrem Leben, die sie geprägt hat – und deren Echo sie noch immer spürt.
„Ich fühle mich nicht gut, wenn ich hier bin“, sagt die 20-jährige Studentin und blickt durch ihre schwarzes Brillengestell auf die über ihr aufragenden, gelben Außenmauern der Schule. „Es erinnert mich an die Person, die ich nicht mehr sein möchte. An eine Zeit, die schwer war.“ Damals, als dunkle Gedanken ihre Tage bestimmten. Als Panikattacken sie lähmten, Zusammenbrüche zur Routine wurden. Als ihr eigenes Leben wie ein Schatten an ihr vorbeizog und sie Gedanken hatte, die so düster waren, dass sie auch heute nur leise über sie spricht. Amy hatte als Jugendliche Depressionen. Sie aß wenig, schlief kaum, schaffte es an vielen Tag nicht aus dem Bett. Als sie im Unterricht zusammenbrach, kam ein Lehrer ihr zur Hilfe. Er merkte schnell: Hier stimmt etwas nicht.
Depressionen gehören laut Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugendalter. Etwa sechs Prozent aller Jugendlichen sind betroffen. Statistisch gesehen sitzen also in jedem Klassenzimmer einer weiterführenden Schule ein bis zwei Jugendliche, die an einer Depression erkrankt sind. Und die Krankheit kann tödlich sein, denn sie erhöht das Risiko für Suizidgedanken erheblich. Ungefähr 200 Minderjährige nehmen sich in Deutschland jedes Jahr das Leben. Suizid gehört damit zu den häufigsten Todesursachen in dieser Altersgruppe. […]
Erschienen in „freundin“ 19/2025
Fotos: Iona Dutz
