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Das stille Sterben des Toten Meers

Das Tote Meer ist ein weltweit einmaliges Naturphänomen. Der abflusslose See liegt knapp 430 Meter unter dem Meeresspiegel und ist zehnmal so salzig wie der Atlantik.

Jedes Jahr besuchen Touristen die ansonsten karge Wüstenregion zwischen Israel, Jordanien und dem Westjordanland, um in dem mineralhaltigen Wasser Rückenleiden oder Hauterkrankungen zu kurieren.

Wie lange es das Tote Meer noch gibt, ist aber unklar. Der See trocknet langsam aus. Industrie und Landwirtschaft in Israel und Jordanien bedienen sich reichlich aus dem einzigen Zufluss, dem Jordan. Für das Tote Meer bleibt kaum Wasser übrig. Einen Meter pro Jahr schrumpft der Wasserspiegel.

Die Folgen des Wassermangels sind in der Region um das Tote Meer bereits sichtbar. Die Landschaft verändert sich. An den Flussmündungen verschwindet die Pflanzen- und Tierwelt, die Ufer werden immer breiter – und schwerer nutzbar. Durch den Rückgang des Wasserspiegels bilden sich Sinklöcher, die Palmplantagen, Strände und auf jordanischer Seite sogar ganze Häuser zum Einsturz bringen. Von den Stränden am israelischen Ufer ist lediglich ein privates Spa im Kibbuz Ein Gedi übrig geblieben. Dort werden die Gäste in Anhängern von einem Traktor zum inzwischen 1,5 Kilometer entfernten Wasser geschleppt. Sollte der Tourismus wegen der anhaltenden Austrocknung weiter zurückgehen, sind Tausende Arbeitsplätze in der Region gefährdet.

Eigentlich sollte längst eine 180 Kilometer lange Pipeline vom Roten Meer gebaut werden und Wasser aus dem Süden Israels ins Jordantal führen. Doch das Mamutprojekt kam bislang nicht voran. Nun hat die jordanische Regierung beschlossen, das Projekt selbst anzugehen: In eineinhalb Jahren soll der Bau beginnen und im Jahr 2024 abgeschlossen sein. Umweltschutzorganisationen wie EcoPeace Middle East bezweifeln jedoch den Nutzen der Pipeline, befürchten gar weitere Schäden, da verschiedene Ökosysteme zusammentreffen. Und über die Finanzierung gibt es weiter Unklarheit: Allein die erste Bauphase soll 820 Millionen Euro kosten.

Ist das Tote Meer noch zu retten? Eine Recherche von Philipp Eins.