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Schleudertraining im Schritttempo

Brauchen wir den Seniorenführerschein? Im Jahr 2015 ist jeder dritte Autofahrer über 60 Jahre alt. Die Unfallzahlen bei Senioren steigen schon heute. Verkehrsexperten und Mediziner fordern daher regelmäßige Fahrtauglichkeitstests. Bei einem Sicherheitstraining haben fünf Rentner freiwillig den Ernstfall geprobt.

Es ist acht Uhr morgens. Die Verkehrsübungsanlage des ADAC in Leonberg liegt im Nebel. Rudi Golderer ist entspannt. Er trägt eine Brille mit verdunkelten Gläsern und Goldrahmen, das blaue Hemd spannt ein wenig über dem Bauch. Sein Holzbein ruht neben dem Bremspedal. „Verloren im Krieg“, sagt der 82-Jährige. Mit dem gesunden Bein gibt er Vollgas. Er beschleunigt seinen BMW auf 50 Stundenkilometer. Beim ersten Verkehrshütchen legt er den Fuß ans Bremspedal, beim zweiten Hütchen tritt er es bis zum Anschlag in den Fußraum. Mit voller Wucht wird sein Körper nach vorne geschleudert. Die Gurte blockieren, das Antiblockiersystem rattert, auf dem Asphalt quietscht es ohrenbetäubend. Dann Stillstand. Auf dem Boden klebt schwarzer Gummi. „Ich kann’s also noch“, sagt er lächelnd. Sein Gehstock aus dunklem Holz ist von der Rückbank gefallen.

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